Bericht

Kinderfreizeit für Straßenkinder und Halbwaisen

Bericht über die Kinderfreizeit “Reines Herz”

02. – 10. Juni 2017 in Charkow, Ukraine

“Eine reine und makellose Frömmigkeit vor Gott, dem Vater, ist es, Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen […]” Jakobus 1,27a

Wenn einer Familie der Vater oder die Mutter entnommen wird, dann legt sich eine vielfache Last auf die Schulter des allein gebliebenen Elternteils: Geld verdienen, Haushalt führen, Vater und die Mutter für die eigenen Kinder zu sein.. Leider ist es oft so, dass die Kraft und Zeit für die Kinder einfach nicht mehr ausreicht. Wie jedes Kind, brauchen auch sie die Liebe und Zuneigung der Eltern. Dies führt dazu, dass die Waisen oder die Halbwaisenkinder auf sich allein gestellt aufwachsen. Das gleiche passiert in den Familien, wo Papa und Mama zwar da sind, aber einer oder beide z.B. Alkoholiker oder Drogensüchtige sind. Die Kinder brauchen ihre Kindheit, sie brauchen Aufmerksamkeit von Erwachsenen, sie brauchen eine Wegweisung und einen guten Rat fürs Leben. [/vc_column_text]

Durch die Gnade unseres Herrn fand auch in diesem Jahr so eine Kinderfreizeit vom 02.-10. Juni in der Nähe von Charkiw (Ukraine) statt. Es konnten 70 Kinder aus der Ukraine dabei teilnehmen. Sie reisten an von fern und nah, sogar aus der Kriegsregion und dem östlichen Teil des durch Krise zersplitterten Landes, durften wir Kinder begrüßen.

In diesem Jahr war auch eine Gruppe von 18 Kindern aus Charkiw von sozial sehr schwierigen Familien anwesend. Diese Kinder haben zwar oft noch ein oder beide Elternteile und ein Dach über dem Kopf, aber sie haben kein liebevolles Zuhause, weil dort Alkohol, Drogen und Geschrei das Sagen haben. Angefangen mit der Betreuung von nur einem Kind und einer Familie durch eine Schwester aus Charkiw namens Svetlana, ist die Gruppe innerhalb fünf Jahren auf 55 Kinder gewachsen. Das sind Kinder, die regelmäßig oder sogar täglich ihren ganzen Tag bei Svetlana verbringen. Die Eltern freuen sich darüber, denn Svetlana bringt den Kindern christliche Werte bei. Sie übernimmt ihre geistliche Erziehung, setzt sich für sie ein und kämpft, um sie vor den Gefahren zu schützen. Svetlana ist die erste und letzte Ansprechperson für diese Kinder und oft viel näher als die eigenen Eltern es sind.

Neben der Arbeit mit den Kindern, gestaltet sie auch regelmäßig Elternabende, um auch den Eltern den Weg zu dem Heiland zu zeigen. Dabei bereiten die Kinder Lieder und Gedichte vor, was die Eltern besonders freut. Um ihren Dienst vollbringen zu können, musste Svetlana ihren Job aufgeben und verdient jetzt nur das Nötigste durch Blumenverkauf und Textil Schuhanfertigung. Für eine normale Arbeitsstelle hat sie einfach keine Zeit.

Vor Beginn der Freizeit erkrankte ein Mädchen namens Dascha und verlor bei der Behandlung ihr ganzes Haar. Aus diesem Grund wollte Dascha nicht mitfahren, da sie Angst hatte, von anderen Kindern ausgelacht zu werden. Doch eine geniale Idee diente dazu, dass die Gruppe sich noch mehr vereinte und Dascha doch mit in die Freizeit fuhr: Svetlana schlug vor, dass alle Mädchen der Gruppe ein Kopftuch tragen sollten, damit Dascha nicht so auffällt, wenn sie alleine eine Kopfbedeckung tragen würde. Alle haben es unterstützt und mitgemacht. Diese Anteilnahme der Kinder und Svetlana war für uns alle sehr rührend.

Jeder Tag der Freizeit war gefüllt mit großem Programm.

Es wurden einige geistliche und sportliche Spiele vorbereitet. Die Kinder sollten nicht nur Spaß, sondern auch etwas für ihr Herz mitnehmen. So waren Spiele wie “Ein reines Herz” dazu bestimmt, den Kindern zu zeigen, wie wichtig und gleichzeitig schwer es ist, ein reines Herz zu bewahren. Dazu bekam jeder ein Herz aus Papier an das T-Shirt befestigt, welches in verschiedenen Stationen unbefleckt bleiben sollte, was für einige echt schwer war. Aus diesem Spiel konnten die Kinder einiges lernen, vor allem dass die Sünden oft da auf uns lauern, wo wir sie am wenigsten erwarten. Im “Jägerspiel” wetteten die Teams in solchen Disziplinen wie zum Beispiel Bogen-, Schleuder- und Blasrohr- schießen, Tarnen, Rennen usw. Die besten Teams und besten Spieler wurden selbstverständlich belohnt. Fast täglich gab es zusätzlich noch Fußball- und Volleyballspiele.

Der Zeitplan beinhaltete nicht nur Rechte sondern auch Pflichten, so musste jedes Zimmer jeden Morgen aufgeräumt sein. Eine Kommission bewertete die Sauberkeit und verteilte ebenso nicht nur die Preise fürs sauberste Zimmer, sondern auch die Besen für die schlecht geputzten Zimmer. Das motivierte die Kinder zur Sauberkeit, denn keiner wollte vor allen einen Besen in die Hände gedrückt bekommen.

Um die Entwicklung der Kinder vielseitig zu fördern, fanden täglich auch Bastelworkshops statt. Dabei durften die Kinder sich in vielen Disziplinen ausprobieren, angefangen mit Brandmalen und Grußkarten basteln, gab es einen Workshop wo Kinder auch 3D Zeichnungen mit speziellen Stiften machen konnten oder Mundspatel-Haus zusammenkleben, Mädchentasche stricken, Gitarre herstellen, Körbe flechten. Die Liste ist nicht abschließend. In neun Tagen konnte jeder überall teilnehmen, was ihn interessierte.

Jeder Tag endete mit einem Lagerfeuer, wo sich jeder an den interessanten geistlichen Themen durch Zeugnisse, Gedichte und Lieder beteiligen durfte. Das Lagerfeuer hatte zum Ziel, den vergangenen Tag zu reflektieren und Denkanregungen mitzugeben.

Als Krönung der Freizeit fand ein Waldausflug mit anschließender Bootsfahrt statt. Die Kinder wanderten ca. 8 km durch einen wunderbaren Wald zu einem kleinen See. Unterwegs erwischte uns ein heftiger Regen, was aber niemanden enttäuscht, sondern eher vereint hat. Auf der Bootstour erfuhren wir, dass viele der Kinder noch nie in ihrem Leben auf einem Boot waren. So konnten einige eine Erinnerung für ihr ganzes Leben bekommen.

Die Kinder benahmen sich die ganze Freizeit über sehr gut, sodass wir kaum Probleme mit Ungehorsamkeit hatten. In den Augen vieler Kinder konnte eine große Dankbarkeit für die Liebe abgelesen werden: “Ihr seid wegen uns hierher gekommen und habt eure Familien und Freunde zurückgelassen!” Dank der finanziellen Unterstützung durch eine Spendensammelaktion konnte in diesem Jahr einiges gemacht werden, was davor nicht möglich war, z.B. dass die Kinder jeden Tag frisches Obst essen durften. Es war sehr rührend zu sehen, wie die leeren Obstteller von den Kindern ausgeleckt wurden (Saftreste von geschnittenen Orangen u.a.). An besonders heißen Tagen wurde auch Eis verteilt, was den Kindern jedes mal eine große Freude bereitet hat.

Auf den täglichen Gottesdiensten wurden praktische und interessante Themen gebracht wie z.B. Gehorsamkeit, Heiligkeit, Hilfsbereitschaft, Vergebung. Es wurde auch ein Zuruf gemacht und einige Kinder sind diesem gefolgt und haben sich bekehrt.

Der Herr möge jedes dieser Kinder segnen, dass der in die Herzen gesäte Samen nicht ohne Frucht bleibt und diese kleinen Seelen ein Stück näher zum Himmel bringt. Neun Tage lang haben diese Kinder keine Tränen gesehen, nur die der Freude. Sie mussten nicht hungern und konnten die von zwölf Köchen liebevoll zubereitete Speisen essen. Sie haben kein Geschrei gehört und keine Gewalt gesehen. Die Kinder konnten mit ihren Freunden zusammen sein, vieles lernen, sich selbst wichtige Lebensfragen stellen und Menschen kennenlernen, die sie lieben ohne ihren Namen zu kennen. Das war eine Oase für die Kinder, eine kleine Auszeit aus dem Alltag, wie ein Schluck kühles Wasser in der Hitze, ein unvergesslicher Lebensabschnitt.

Diese Freizeit bleibt nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den zwölf Kinderleitern aus Deutschland und drei aus der Ukraine für lange in Erinnerung. Jeder spürte den Segen des Herrn, für den wir schon lange Zeit vorher gebetet hatten und das macht uns sehr froh, weiter in dem Weinberge des Herrn wirken zu dürfen. Die Freizeit ist jetzt vorbei, die Kinder sind wieder zuhause. Wir gehen alle unseren alltäglichen Sorgen nach.. Doch lasst uns diese Kinder in unseren Gebeten vor den Herrn bringen, denn er ist bei ihnen – jederzeit. Er kann sie bewahren und sie auf den richtigen Weg führen. Er liebt sie viel mehr als wir. Ihm sei für alles die Ehre. Amen.

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